Simracing ist die möglichst realistische Simulation von Motorsport am PC. Gefahren wird mit Lenkrad und Pedalen – je nach Fahrzeug oder Disziplin zusätzlich mit Ganghebel und Handbremse. Moderne Simulationen verfügen über komplexe Physik- und Reifenmodelle. Wetter, Streckentemperatur, Gripniveau, Streckenzustand und der eigene Fahrstil beeinflussen das Fahrverhalten ebenso wie Reifenverschleiß und Kraftstoffverbrauch. Zudem können die Fahrzeuge nach eigenen Vorlieben abgestimmt werden. Reifendruck, Fahrzeughöhe, Federn/Dämpfer, Querstabilisatoren, Sturz/Spur, Flügel, Bremsbalance, Differenzial, usw. müssen auf Strecke und Fahrstil angepasst werden.
Gefahren wird idR. bei Training, Qualifying und Rennen in Online- Multiplayer Sessions. Man kann als Solofahrer an einzelnen Rennen teilnehmen oder sich bei Team-Events das Cockpit teilen. Bei solchen Endurance-Rennen wird im Zuge eines Boxenstopps das virtuelle Fahrzeug an einen anderen Fahrer übergeben.
Strategie, Reifenmanagement, Boxenstopps, Verkehr, Konzentration und vor allem Konstanz spielen bei solchen Rennen eine ebenso große Rolle wie die reine Geschwindigkeit.
Kurz gesagt: Simracing ist virtueller Motorsport - mit echtem Wettbewerb und Teamarbeit.
WIE REALISTISCH SIND STRECKEN UND FAHRZEUGE?
Moderne Rennsimulationen wie iRacing versuchen nicht nur, Motorsport optisch nachzubilden. Grundlage sind reale Messdaten, Fahrzeugdaten und aufwendige physikalische Modelle.
Strecken aus dem Laserscanner

Die Rennstrecken in iRacing werden direkt vor Ort mit Laserscannern erfasst. Dabei entsteht eine hochpräzise dreidimensionale Punktwolke der Strecke und ihrer Umgebung. So werden nicht nur Streckenverlauf und Kurvenradien übernommen, sondern auch Details wie Bodenwellen und Unebenheiten, Steigungen und Gefälle, Randsteine, charakteristische Veränderungen der Asphaltoberfläche.
iRacing spricht dabei von einer Erfassung mit Millimeterpräzision. Das Ergebnis ist nicht einfach eine Strecke, die ihrem realen Vorbild ähnlich sieht. Ihre Geometrie basiert auf der tatsächlich vermessenen Rennstrecke.
Rennfahrzeuge nach realen Daten
Ähnlich aufwendig werden die Fahrzeuge aufgebaut. iRacing arbeitet dafür direkt mit Fahrzeugherstellern und Rennwagenkonstrukteuren zusammen. Je nach Fahrzeug stehen unter anderem CAD-Daten, reale Maße und Gewichte einzelner Komponenten zur Verfügung. Fahrzeuge oder Fahrzeugteile werden zusätzlich dreidimensional gescannt; iRacing beschreibt sogar Fälle, in denen reale Fahrzeuge zerlegt wurden, um einzelne Bauteile zu vermessen und zu wiegen. Diese Daten bilden anschließend die Grundlage für das physikalische Fahrzeugmodell.
Simuliert werden unter anderem: Fahrzeugmasse und Gewichtsverteilung, Radaufhängung und Fahrwerksgeometrie, Aerodynamik, Motorleistung und Antriebsstrang, Bremsen, Reifen, Kraftstoffverbrauch, Fahrzeugschäden.
Besonders komplex ist die Reifensimulation. Allein zur Beschreibung eines Reifens verwendet iRacing nach eigenen Angaben mehr als 40 voneinander unabhängige physikalische Parameter.
DAS SIMRACING - COCKPIT (RIG, von engl. Rigging)

BASE
Die Direct-Drive-Base ist die Lenkradeinheit, welche die Force-Feedback Effekte überträgt. Das Lenkrad ist über eine Welle direkt mit dem Elektromotor verbunden.
Dadurch werden Lenkkräfte und Fahrbahneffekte schneller, direkter und detaillierter übertragen. Die Stärke wird in Newtonmetern (Nm) angegeben. In einem realen GT3-Rennwagen wirken Lenkkräfte von ca. 6 - 12 Nm. Aktuelle, frei erhältliche Direct-Drive Wheelbases erreichen Drehmomente bis max. 39 Nm.
LENKRAD
Simracing-Lenkräder reichen vom einfachen runden GT-Lenkrad bis zu komplexen Formel- und Prototypen-Wheels. Je nach Ausführung verfügen sie über Schaltwippen, Drehregler, Tasten, Displays und LEDs und ermöglichen es, viele Fahrzeugfunktionen direkt während der Fahrt zu bedienen.
Kurz gesagt: Form und Ausstattung orientieren sich stark am realen Motorsport und am jeweiligen Fahrzeugtyp.
PEDALE
Gute Simracing-Pedale sind robust und verschleißarm konstruiert, aus hochwertigen Materialien gefertigt und bieten zahlreiche Möglichkeiten zur Anpassung von Pedalweg, Widerstand, Winkel, Position und Montage.
Besonders wichtig ist das Bremspedal. Es ist hohen Kräften ausgesetzt und hat großen Einfluss darauf, wie sicher, schnell und vor allem konstant ein Fahrzeug bewegt werden kann. Grundsätzlich lassen sich hochwertige Simracing-Pedale in drei Kategorien einteilen:
Load-Cell-Pedale
Sie messen beim Bremsen nicht primär den Pedalweg, sondern die aufgebrachte Kraft. Dadurch lässt sich die Bremse sehr konstant dosieren – ähnlich wie im realen Rennwagen, wo ebenfalls Druckgefühl und Muskelkraft entscheidend sind.
Hydraulikpedale
Hier wird der Pedalwiderstand über einen Hydraulikkreislauf erzeugt. Gemessen wird meist über einen Drucksensor oder eine Load Cell. Dadurch entsteht ein besonders realistisches, progressives Pedalgefühl; der eigentliche Pedalweg ist auch hier nicht die entscheidende Messgröße.
Active Pedals
Sie gehen noch einen Schritt weiter: Ein Motor steuert das Pedal aktiv. Widerstand, Pedalweg, Druckpunkt und Pedalkennlinie können softwareseitig eingestellt werden. Zusätzlich lassen sich Effekte wie ABS-Pulsieren oder ein Kupplungsschleifpunkt direkt im Pedal fühlbar machen.
Hochwertige Bremspedale können dabei sehr hohe Pedalkräfte bis etwa 170 kg abbilden.
MONITORE und FOV
Der Monitor bestimmt wesentlich, wie viel der virtuellen Umgebung der Fahrer gleichzeitig sehen kann. Entscheidend ist dabei vor allem die tatsächliche Breite des Bildschirms in Verbindung mit dem Sitzabstand.
Das sogenannte Field of View (FOV) beschreibt den sichtbaren Blickwinkel. Je breiter der Bildschirm vor dem Fahrer ist, desto größer kann dieser Blickwinkel dargestellt werden. Dadurch werden neben der Strecke auch Seitenspiegel, Kurveneingänge und Fahrzeuge neben dem eigenen Auto besser wahrgenommen.
Ein 32:9-Ultrawide-Monitor eignet sich deshalb sehr gut für ein Single-Screen-Setup.
Noch mehr Übersicht bieten Triple-Screen-Setups mit zusätzlich zwei seitlich angewinkelten Monitoren. Damit lässt sich das Sichtfeld weit in den seitlichen Bereich erweitern und das Cockpit wirkt deutlich immersiver. Besonders im Zweikampf ist es ein Vorteil, Fahrzeuge neben dem eigenen Auto besser sehen zu können.

Dem stehen jedoch ein höherer Platzbedarf, mehr Verkabelung und deutlich größere Anforderungen an die Grafikkarte gegenüber. Auch die korrekte Ausrichtung und Einstellung der drei Monitore ist aufwendiger.
Kurz gesagt:
Nicht das Format allein entscheidet über das Sichtfeld – sondern vor allem, wie viel Bildschirmbreite tatsächlich vor dem Fahrer steht. Ein breiter 32:9-Monitor ist ein guter Kompromiss, Triple Screen bietet die maximale Rundumsicht.
KOSTEN
Für ein gutes Einsteiger-Setup muss mit Kosten (ohne PC!) von ca. 2000 EUR gerechnet werden.
ERWEITERUNGSMÖGLICHKEITEN AM RIG
Dashboard
Ein Dashboard ist eine zusätzliche Anzeige im Simrig, die wichtige Fahrzeug- und Renndaten direkt im Sichtfeld des Fahrers darstellt. Dazu gehören zum Beispiel Gang, Drehzahl, Geschwindigkeit, Rundenzeiten, Tankinhalt, Reifendaten oder Warnmeldungen.
Button Box
Eine Button Box ist ein separates Bedienfeld mit Tasten, Schaltern, Kippschaltern und Drehreglern, über das wichtige Fahrzeug- und Simulationsfunktionen direkt während der Fahrt gesteuert werden können.
Typische Funktionen sind zum Beispiel Bremsbalance, Traktionskontrolle, ABS, Motor-Mapping, Differenzial, ARB-/Stabilisator-Einstellungen, MGU-K bzw. elektrische Energienutzung und Rekuperation, Licht, Scheibenwischer, Pit-Limiter und Boxenfunktionen.
Rumble-Motoren
Rumble-Motoren am Simrig sind kleine Vibrationsmotoren, die zusätzliche haptische Rückmeldungen erzeugen.
Gurtstraffer
Ein Gurtstraffer ist ein aktives System, das die Sicherheitsgurte im Simrig abhängig von den Fahrzuständen spannt oder lockert. Dadurch werden vor allem Bremsverzögerung, Beschleunigung und teilweise Kurvenkräfte körperlich spürbar.
Motion Rig
Motion Rig bezeichnet ein Simracing-Cockpit, das sich mithilfe elektrischer Aktuatoren aktiv bewegt. Dadurch können Beschleunigen, Bremsen, Kurvenkräfte, Bodenwellen, Curbs und Fahrzeugbewegungen körperlich spürbar gemacht werden. Je nach System bewegt sich entweder der Sitz oder das gesamte Cockpit in mehreren Bewegungsachsen.
